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"Die Erweiterung der Möglichkeiten verkleinert den Raum für ihre Umsetzung"

ArtEvent zeigt Steffen Trodler

Arbeiten aus der EDITION Trodler, Erinnerungen an seine Installationen, Fotografien und Texte, im Landarbeiterhaus Kleinmachnow

Kurzfassung der Rede zur Ausstellungseröffnung am 15.9. 2013
v. Jürgen Bräunlein

Seit 2008 war Steffen Trodler Teil der Künstlergruppe ArtEvent. Dieses Jahr wäre das Motto "Feld-Arbeit" gewesen, doch aus der geplanten "Feldarbeit" wurde eine Erinnerungsarbeit. Die Mitglieder von Art Event entschlossen sich zu einer Ausstellung in Erinnerung an ihren verstorbenen Künstlerkollegen. Ziel war es, die Kreativität von Steffen Trodler, sein vielseitiges Schaffen so dicht und überzeugend zu präsentieren, wie auch er selbst Zeit seines Lebens gearbeitet hat:

Präzise, professionell, originell.

Die Ausstellung zeigt hochwertige Originalgrafiken der zeitgenössischen Künstler Wolf-Dieter Pfennig, Sue Hayward, Anne Manzek, Carsten Weitzmann, Rainer Ehrt und Jeanette Niebelschütz, die Steffen Trodler in seiner Druckerwerkstatt gedruckt und in der EDITION TRODLER auch verlegt hat. Auf eine enge Zusammenarbeit legte er großen Wert. Nur so konnte er sich in die unterschiedlichen Stile kongenial einfühlen und war den Künstlern ein adäquater Sparringpartner. In den letzten Jahren lag ein Schwerpunkt der EDITION TRODLER im Zusammenspiel von Buch und Druckgrafik. Kat Menschik, eine der gefragtesten Illustratorinnen derzeit, bebilderte eine Island Saga, und einige Geschichten des Japaners Haruki Murakami - auch diese Druckgrafiken sind zu sehen.

Als zweiter Schwerpunkt der Ausstellung werden die eigenen künstlerischen Arbeiten von Steffen Trodler vorgestellt. Nicht nur in seinen Installationen und Kunst-Objekten verfügte er über einen ganz eigenen Stil, nein er wusste auch Sprache zu formen. Die Texte, die er, zumeist in Verbindung mit Kunstprojekten verfasst hat, haben Leichtigkeit und Ernst, aber auch Poesie. Hier wird versucht, Gedanken und Augenblicke möglichst exakt festzuhalten, so wie er auch als Fotograf und Künstler immer genau hingesehen hat.

Aus weit über 50 Fotografien hat die Gruppe ArtEvent Motive und Momentaufnahmen heraus gesucht, die über den Tag hinaus bestehen können. Fein komponierte Fotografien, die zum Tiefenblick animieren, deren Zartheit und Zauber für sich einnehmen, die behutsam in Stimmungen versetzen, doch sich dem Kitsch und der Glätte von Kalenderbildern souverän entziehen.

Von Steffen Trodlers Installationen für "ArtEvent" versucht die Ausstellung anhand von Fotos, Teilobjekten und Textdokumenten wenigstens eine Ahnung zu geben. Da gab es die Errichtung eines Bücherturmes, als gelte es lesend den Himmel zu erstürmen, und man kommt doch nur zur Zimmerdecke ("was trägt", 2009). Oder Steffen Trodlers gespiegelte Irritationen, die 2012 in der Biomalzfabrik in Teltow zu bestaunen waren: "unerhört erscheint das ich" - ein hintersinniger Titel wie oft bei ihm: Wer weiß denn schon, ob dieses ICH willkommen ist. Einige Mitglieder von ArtEvent haben Arbeiten beigesteuert, die auf Steffen Trodlers Kunstobjekte direkt Bezug nehmen.

"Die Erweiterung der Möglichkeiten verkleinert den Raum für ihre Umsetzung" - ist ein Zitat des Philosophen Wilhelm Schmid. Für Steffen Trodler war das ein Schlüsselsatz. Nun ist er zum Titel dieser Ausstellung geworden. Der Satz erscheint paradox. Warum sollten mehr Möglichkeiten einengen? Heißt es nicht, je mehr Möglichkeiten der Mensch hat, desto freier ist er, desto größer wird ihm die Welt?

Das dem so einfach nicht ist, hat Steffen beschäftigt. Er, der in der DDR den Kriegsdienst verweigert hat, und sich nie geschmeidig den Verhältnissen angepasst hat, sah, dass auch die Bundesrepublik nicht das Land ist, in dem nur Milch und Honig fließen, dass die Fülle an Optionen, nicht automatisch ein Mehr an Freiheit bedeuten.
Oder auch ein Mehr an Zufriedenheit. Als Künstler, aber auch als Mensch, widersetzte er sich jedem Konformitätsdruck. Erst in der DDR, dann im Westen. Das machte sein Leben nicht immer einfach.